Der Porsche 968 und die Eier-Mädchen

Wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen, was man mit einem Porsche 968 anstellen kann, kommt Hasegawa um die Ecke und legt zwei richtig schräge Egg-Girls-Varianten vor. Als Europäer war ich irritiert. Als Freund des Porsche 968 schockiert. Die einzige Frage, die mich interessierte: Was soll das?

Also begann ich zu forschen:

Die „Egg Girls“ (japanisch: たまごガールズ, Tamago Girls) sind eine Figuren- und Mascot-Serie des japanischen Modellbau-Herstellers Hasegawa. Sie sind eng mit der langjährigen „Tamago Hikouki“-Reihe („Egg Plane“) verbunden und wurden später auf andere Modelle ausgeweitet – darunter diese beiden Porsche-968-Bausätze.

Ursprung und Konzept der Egg Girls

Hasegawa produziert seit 1978 die „Tamago Hikouki“-Serie: stark deformierte („eiförmige“) Flugzeug-Modelle im Maßstab 1:72 oder ähnlich, die bewusst cartoonartig und humorvoll gestaltet sind. Sie sollten ursprünglich vor allem Kinder und Einsteiger ansprechen, haben aber über Jahrzehnte hinweg Kultstatus erlangt.

F4U Corsair Flugzeugmodell der Egg Girls Collection

Um die Serie moderner und attraktiver zu machen, schuf Hasegawa die Egg Girls als „Image Girls“ (Mascots). Die Figuren sind junge Frauen im Alltag, die in fantasievollen Outfits (Badeanzug, Bunny-Girl, Cheerleader, Rennanzug, CA-Uniform etc.) dargestellt werden. Sie „fliegen“ die Egg Planes oder posieren auf Box-Art und in Kollaborationen. Die Figuren-Serie selbst heißt offiziell „12 Egg Girls Collection“ und läuft seit ca. 2019 mit nummerierten Ausgaben (No. 01 bis aktuell über 50). Jede Figur hat einen eigenen Charakter, Hintergrund und wiederkehrende Outfits.

Bekannte Figuren sind z. B.:

  • Rei Hazumi (No. 01) – die erste der Serie.
  • Amy McDonnell (No. 6, 14, 24 etc.) – extrovertierte Amerikanerin, die immer im Mittelpunkt stehen will.
  • Sara Mayuki (舞雪サラ) – sportliche, ernsthafte „Nordlicht“-Typ mit finnischen Wurzeln (blaue Augen, spricht nur Japanisch), klein, aber extrem energiegeladen, liebt Sport und Sauna.

Die beiden 968 Kits hatten das große Glück, dass sie auf den alten Bausätzen aus den 90er Jahren basieren und nicht wie die Egg-Planes eine „eiförmige“ Kontur erleiden mussten. Böse Zungen behaupten, der 968 wurde gewählt, weil seine runde Form schon so „eiförmig“ ist, dass er ohne weitere Änderungen übernommen werden konnte.

2022: Amy McDonnell – die klassische Wrap-Version (52338 / SP538)

Typ 968 Bausatz mit Egg-Girl Amy McDonnell

Die erste Version kam 2022 und war ein Volltreffer. Zumindest in Japan. Amy McDonnell als Race-Queen, gezeichnet von Takashi Fujisawa, als großflächiges Decal-Set auf dem 968. Haube, Türen, Heck – alles wird großflächig mit neuen Aufklebern eingepackt. Knallbunt, frech – typisch 90er/Anime-Crossover.

Fertig gebautes Modell des Amy McDonnell Typ 968

Der Bausatz selbst ist der bewährte alte Hasegawa-968 Clubsport aus den frühen 90ern, aber mit den neuen, großflächigen Decals. Keine Figur im Karton – dafür ein Auto, das im Regal sofort Aufmerksamkeit einfordert. Viele haben ihn gebaut und berichten, dass die Decals trotz der großen Flächen gut liegen, wenn man geduldig arbeitet. Das Ergebnis ist kein dezenter Clubsport mehr, sondern ein rollendes Anime-Kunstwerk, das perfekt zur verspielten Seite des sonst so seriösen 968 passt.

2024: Sara Mayuki – die Figur-Edition (SP615)

Typ 968 Bausatz mit Egg-Girl Sara Mayuki

Zwei Jahre später hat Hasegawa nochmal nachgelegt und die Image-Girl Karte voll ausgespielt. Sara Mayuki kommt nicht nur mit neuen Wrapping-Decals, sondern gleich mit einer 3D-gedruckten Figur im Maßstab 1:24 dazu. Sara in dynamischer Pose, voller Speed-Vibes – und der 968 selbst in einem hellen Rivierablau Ton, der super zu den neuen Designs passt.

Modelle von Sara Mayuki und ihremTyp 968

Das Set baut auf der gleichen Basis auf und geht doch einen Schritt weiter. Die Figur macht den Unterschied: Plötzlich steht da nicht nur ein beklebtes Auto, sondern eine richtige kleine Szene. Viele Modellbauer, die Amy schon im Schrank haben, greifen jetzt auch noch zu Sara – weil’s einfach zwei komplett unterschiedliche Stimmungen sind. Amy ist der klassische, übertriebene Eye-Catcher. Sara ist dynamischer, moderner und durch die Figur noch lebendiger.

Was beide Versionen gemeinsam haben

Beide nutzen denselben bewährten Grundbausatz aus den 90er Jahren, der die schöne Linienführung des 968, den charakteristische Heckabschluss und die Optik der Cup-Felgen wiedergibt. Hasegawa hat bei den Egg-Girls-Versionen nichts am Grundmodell geändert, sondern nur die Optik mit großflächigen Decal Sets auf ein neues Level gehoben. Für die, die den 968 wirklich schätzen – weil er ausgewogen ist, charaktervoll und seriös –, sind diese Varianten eine willkommene Abwechslung. Man kann endlich mal ohne schlechtes Gewissen etwas total Verrücktes draus machen.

Sara Mayuki und ihr Typ 968

Und wenn man keine Sensibilität für japanische Anime-Figuren entwickeln kann, sind beide Bausätze neue, normale Porsche 968 Kits im Masstab 1:24, die mit einem ursprünglichen Decal-Set als ganz normales Auto gebaut werden können.

Und nach dem Basteln: Fahrt vorsichtig, aber vor allem: fahrt!