Der Porsche 968 Club Sport,
der Steuer-Trick, der zum Kultauto wurde

Manchmal entstehen die geilsten Autos nicht aus purem Genie, sondern aus purem Pragmatismus. Genau so war’s beim Porsche 968 Club Sport.

Stellt euch vor: Anfang der 90er in Großbritannien. Wer ein neues Auto über 29.000 Pfund kaufte, musste extra Steuern blechen. Der normale 968 war leider ein kleines bisschen drüber – und plötzlich kauften die Briten lieber Audi oder BMW. Porsche GB stand vor dem Problem: Entweder die Verkäufe knicken ein oder wir machen was.

Kevin Gaskell, der damals bei Porsche Cars Great Britain das Sagen hatte, rief kurzerhand in Zuffenhausen an und sagte sinngemäß: „Baut mir einen 968 unter 29.000 Pfund. Nehmt alles raus, was nicht unbedingt drin sein muss – vier Räder, Motor, fertig. Dann schauen wir, was wir wieder reinpacken.“

Und die Jungs in Deutschland haben das tatsächlich gemacht.

Raus flogen: Rücksitze, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, sämtliche Dämmmaterialien und der ganze Komfort-Schnickschnack. Die Räder wurden einfach in Wagenfarbe lackiert, es gab nur fünf Farben (Speed Yellow, Guards Red, Maritime Blue, Riviera Blue und Grand Prix White). Stattdessen kamen Recaro-Schalensitze rein, das Fahrwerk wurde tiefergelegt und deutlich straffer abgestimmt und ein schönes dickes Momo-Lenkrad mit Porsche-Wappen durfte bleiben – weil, wie Gaskell so schön sagte: „Das Erste, was du im Auto anfasst, ist das Lenkrad. Das muss sich einfach geil anfühlen.“

Das Ergebnis? Der 968 Club Sport wurde 1992 auf dem Pariser Salon vorgestellt – mit riesigen Club-Sport-Aufklebern an den Flanken und einem Preis von 28.995 Pfund. Genau unter der magischen Grenze. Die Briten waren happy, die Steuer war umschifft und Porsche hatte plötzlich wieder ein richtig scharfes Eisen im Feuer.

Und was soll ich sagen: Das Ding war nicht nur günstiger, es war besser. Leichter (rund 100 Kilo weniger als der normale 968), direkter, agiler. Walter Röhrl, der zweifache Rallye-Weltmeister, hat mal gesagt, das sei das beständigste Auto gewesen, das Porsche je gebaut hat. 1993 wurde der Club Sport sogar zum „Performance Car of the Year“ gewählt – und hat dabei unter anderem einen Ferrari 348 Spider und einen Lotus Esprit S2 abgehängt. Nicht schlecht für einen „abgespeckten“ Einstiegs-Porsche.

Technisch blieb der wunderbare 3,0-Liter-Vierzylinder mit 240 PS drin, der schon im normalen 968 für richtig guten Punch sorgte. 0 auf 100 in etwa 5,6 bis 6,3 Sekunden (je nach Quelle), Spitze um die 260 km/h. Aber das eigentliche Highlight war das Fahrgefühl: pur, ehrlich, ohne Filter. Genau das, was echte Fahrer wollen.

Heute, über 30 Jahre später, ist aus dem damaligen Steuer-Trick eines der begehrtesten jungen Klassiker geworden. Gute Exemplare liegen inzwischen bei 50.000 bis 65.000 Euro – und das völlig zurecht. Der 968 Club Sport ist leicht, ausgewogen, alltagstauglich genug und trotzdem ein richtiger Porsche mit Charakter. Kein übermotorisierter Track-Monster, sondern ein Auto, mit dem man einfach Spaß haben kann. Auf der Landstraße, auf der Nordschleife oder einfach nur beim sonntäglichen Kaffeefahren.

Kurz gesagt: Manchmal muss man nur den Komfort weglassen, um den eigentlichen Spaß wiederzufinden.

Und genau deswegen liebe ich diese Geschichte so sehr. Der 968 Club Sport ist der Beweis, dass weniger wirklich manchmal mehr ist – vor allem, wenn Porsche dahintersteckt.

Fahrt vorsichtig, aber vor allem: fahrt!