Manchmal, wenn ich so über die norddeutschen Landstraßen kurve und der Fahrtwind durchs offene Fenster meines 968 pfeift, denke ich mir: Es gibt Autos, die sind nicht nur selten. Die sind so selten, dass sie fast schon ein Geheimnis sind. Und dann kommt so ein Porsche 968 Turbo S daher und beweist, dass selbst ein Porsche manchmal zu besonders ist, um verkauft zu werden.

Stellt euch vor: 1993. Porsche hat die Transaxle-Ära schon fast abgehakt, der 911 regiert, und plötzlich taucht aus der Rennabteilung ein letztes Aufbäumen auf. Jürgen Barth und Gerd Schmid, die alten Hasen aus 924 Carrera und Gruppe-C Zeiten, haben ihn gebaut. Als Homologationsmodell für den GT-Sport. Geplant waren hundert Stück. Gebaut wurden vierzehn. Vierzehn! Inklusive Prototyp. Das ist nicht selten, das ist ein Mythos auf Rädern. Ein 3,0-Liter-Reihenvierer mit KKK-Turbolader, Ladeluftkühler und einem Motorabstimmung, die damals schon Zukunft war. 305 PS bei 5.400 U/min, 500 Newtonmeter schon aus dem Keller. Sechs Gang Getrag-Handschalter, 75-Prozent-Sperre hinten, Bremsen vom 911 Turbo und ein Gewicht, das um einiges leichter ist als beim normalen 968. Weil alles rausgeflogen ist, was nicht zwingend sein muss.

Und dann dieses Exemplar. Chassis WP0ZZZ96ZPS890068. Fertiggestellt am 19. Juli 1993. Paint-to-Sample in Zermatt Silver – ein silberner Blitz, der aussieht, als hätte ihn jemand extra für die Sonne bestellt. Innen schwarze Schalensitze, die dich festhalten wie ein guter Freund. Bestellt neu von Helena Suková, der tschechischen Tennis-Legende. Später bei deutschen und amerikanischen Sammlern, immer gepflegt, immer mit Papieren. Gerade mal 30.367 Kilometer. Ein Auto, das riecht, als käme es frisch aus Weissach.

Im März war er auf Amelia Island bei Gooding & Company. Die Auktionäre haben ihn ins Rampenlicht gestellt wie ein Kronjuwel. Schätzpreis 900.000 bis 1,2 Millionen Dollar. „Könnte der erste Transaxle-Porsche werden, der die Million knackt“, hieß es in den Vorberichten. Die Presse war heiß, die Sammler haben geschaut, die Porsche-Club-Leute haben getuschelt. Ein Auto, das so besonders ist, dass es fast schon wehtut.
Und dann? Nichts.
Höchstgebot bei 775.000 Dollar. Reserve nicht erreicht. Der Hammer fiel nicht. Das Auto blieb stehen. „The world is not ready for a million-dollar 968“, hat einer der Auktionsbeobachter trocken geschrieben. Und jetzt steht es immer noch bei Gooding zum Verkauf – für 900.000 Dollar. Als ob der Markt sagen würde: „Ja, du bist grandios. Aber eine Million? Für einen Vierzylinder-Transaxle? Lass mal.“
Ich muss schmunzeln. Weil genau das den 968 Turbo S ausmacht. Er ist kein 911, der mit seinem Heckmotor immer ein bisschen Drama macht. Er ist kein Show-Car. Er ist ein purer, direkter Sportler, der dich in den Sitz presst, der turbo-pfeift, wenn du vom Gas gehst, und der sich anfühlt wie ein Rennwagen, den man einfach nur laufen lassen muss. Walter Röhrl hätte wahrscheinlich gesagt: „Der kann’s.“ Und er hätte recht.

Vielleicht ist das der Grund, warum er nicht weggegangen ist. Weil die echten Kenner wissen: So ein Auto kauft man nicht, nur weil die Auktion gerade heiß läuft. Man kauft es, weil man es fahren will. Weil man weiß, dass es der letzte große Aufschrei der Transaxle-Porsche war. Weil es in einer Welt voller Elektro-Hype und Assistenzsystemen einfach nur dasteht und sagt: „Fahr mich. Und dann wirst du verstehen.“
Der 968 Turbo S ist kein Schnäppchen. Er war nie eines. Aber er ist ehrlich. Und genau deswegen wird er irgendwann seinen Käufer finden. Einen, der nicht auf den nächsten Rekord schielt, sondern auf die nächste Serpentinenstraße.
Bis dahin bleibt er stehen. Ein silberner Schatten in Zermatt Silber. Und wartet auf jemanden, der ihn nicht nur ersteigert – sondern ihn wirklich fährt.